Projekt "Qualitätssteigerung von Kulturlandschaften durch artenreiche Mähwiesen"


 

 

Ein Modellprojekt zur In-Wert-Setzung artenreicher Mähwiesen für Landwirtschaft, Landschaftsökologie, Naturschutz und Landschaftserleben

 

Allen Stiftungen, die die Bearbeitung des Projekts ermöglichen, sei an dieser Stelle herzlich gedankt:

Software AG-Stiftung

Rudolf Steiner Fonds für wissenschaftliche Forschung

Stiftung Forschungsförderung der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland

Stiftung Helixor

Zukunftsstiftung Landwirtschaft


 

Das Projekt verfolgt drei Hauptaspekte:

 

 

Ausgangslage

 

Die Bedeutung artenreicher Mähwiesen für Naturschutz einerseits und für Naturerholung und Naturerlebnis andererseits sind unumstritten. Demgegenüber stellt sich die landwirtschaftliche Bedeutung als weniger eindeutig positiv dar, was sogar für die biologische Landwirtschaft gilt. Auch im Ökolandbau wird durch die Notwendigkeit der betriebseigenen Futtergewinnung zumeist relativ intensive Grünlandwirtschaft betrieben. Insofern sieht es mit artenreichem Grünland, und hier insbesondere mit artenreichen Wiesen, selbst auf naturschutzorientierten Biohöfen im allgemeinen nicht gut aus.

 

Projektziel

 

Das Ziel des Projekts ist es deshalb, den naturschutzfachlichen Wert, d.h. vor allem den optimalen Artenreichtum von Mähwiesen, auch aus Sicht der Landwirtschaft als Wert zu begreifen. Schätzt der Landwirt selbst den Wert artenreicher Mähwiesen für seinen Betrieb, kann die Wiesenkultur nachhaltiger auf dem Hof verankert werden als wenn sie nur als (bezahlte) Naturschutz-Dienstleistung verstanden wird.

Damit ist eine zentrale Aufgabe des Projekts, den Wert artenreicher Mähwiesen umfassend darzustellen, wobei der landwirtschaftliche Wert eine herausragende Rolle spielt. Dies wird für die verschiedenen Wiesentypen, die auf Grundlage der pflanzensoziologischen Systematik differenziert betrachtet werden, detailliert ausgearbeitet. So sollen auch die Feucht- und Magerwiesen ausdrücklich in die landwirtschaftliche Inwertsetzung mit einbezogen werden.

 

Pflanzensoziologie als Grundlage

 

Die Pflanzensoziologie ist die wichtigste methodische Grundlage des Projekts. Sie dient nicht nur zur Dokumentation der einzelnen Wiesen, sondern wird auch zur Zielfindung für Maßnahmen verwendet. Das Entwicklungsziel für eine konkrete Wiese ist der überregionale Vegetationstypus, beispielsweise „Glatthaferwiese“ oder „Sumpfdotterblumenwiese“. Dieser Typus wird jedoch nicht schematisch und starr verwendet, sondern im Sinne eines dynamischen Typus, der vielfach wandelbar ist, ohne seinen eigentlichen „Kern“ zu verlieren. So wird der überregionale Typus „Sumpfdotterblumenwiese“ (Calthion) mit einem bestimmten Verfahren zu einem lokalen Typus gewandelt, der z.B. keine der Region fremden Arten enthält und andererseits doch die artenreichste Ausprägung darstellt, die der Region möglich ist („Potenzielle Kulturlandschafts-Vegetation“). Teil dieser lokalen Typus-Findung ist auch, dass der landwirtschaftliche Wert berücksichtigt wird, denn es geht ja um die volle Einbindung des jeweiligen Wiesen-Typus in den landwirtschaftlichen Betrieb. Für die Sumpfdotterblumenwiese heißt das beispielsweise, dass der Sumpfschachtelhalm, obwohl Feuchtwiesen-Kennart, nicht zu den Zielarten dieser Wiese gehört, da er als besonders giftig gilt. Andererseits hat die Bach-Nelkwurz hohe Priorität, da ihr als verdauungsfördernde und appetitanregende Pflanze für die Tiergesundheit und das Fressverhalten eine besondere Bedeutung zukommt.

Die Erarbeitung des lokalen Typus soll sowohl zu einer Optimierung aus naturschutzfachlicher als auch aus landwirtschaftlicher Sicht führen. Die Erfahrung aus den Hofbesuchen hat gezeigt, dass die Bewirtschafter zumeist ein Interesse haben, ihre Wiesen in Richtung eines höheren Artenreichtums zu optimieren. Hier leistet die pflanzensoziologische Sichtweise große Dienste.

 

Jedem Hof seine Wiesen!

 

Ist die landwirtschaftliche Bedeutung artenreicher Wiesen für den idealen Ökolandbau-Mischbetrieb einmal erkannt, folgt daraus konsequent, dass für Höfe, denen sie fehlen, artenreiche Mähwiesen neu angelegt werden müssen. Die Neuanlage wäre zur gesunden Funktion der landwirtschaftlichen Ganzheit zwingend erforderlich, also auch in Landschaften, die schon lange keine artenreichen Mähwiesen mehr gesehen haben. Auch hier bildet die pflanzensoziologische Typologie die Grundlage für die regionale bzw. lokale Leitbild-Entwicklung. Durch die Neuanlage bzw. Optimierung fragmentarischer Bestände werden neben dem landwirtschaftlichen auch der naturschutzfachliche und der ästhetische Wert gesteigert. Alle drei Werte können zu einem übergeordneten Wert „Lebensqualität der Landschaft“ zusammengefasst werden.

 

Neuanlage einer artenreichen Glatthaferwiese

 

Um die Lebensqualität einer konkreten Landschaft durch artenreiche Mähwiesen praktisch zu steigern, haben wir im Frühjahr 2010 auf dem biologisch-dynamischen Hof Sackern am Rand des Ruhrgebietes eine artenreiche Glatthaferwiese auf 2 ha ehemaligem Ackerland eingesät. Trotz extrem ungünstiger Witterung zur Zeit der Keimung hatte sich bereits im zweiten Jahr eine artenreiche Glatthaferwiese mit hohem Heuertrag etabliert. Im Jahr 2013 war der Ertrag noch etwas höher und die Blumenvielfalt hatte stark zugenommen; auf der Fläche waren nun 56 typische Wiesenarten (Gräser und Kräuter) zu finden, von denen 20 zu den Magerzeigern zu zählen sind. Gesundes Heu in großer Menge, Reichtum an Pflanzenarten und ästhetische Attraktivität verbinden sich hier zu einer landschaftlichen Gesamtqualität.

 

Arbeitsschritte des Projekts

 

2013: Bestandsaufnahme

 

Durch Befragung von Landwirten und durch Literaturrecherche werden naturschutzfachlicher, landwirtschaftlicher und ästhetischer Wert der verschiedenen Typen artenreicher Wiesen herausgearbeitet. Es wurden im Mai-Juni 2013 bundesweit 20 Betriebe besucht, die artenreiche Mähwiesen aus eigenem landwirtschaftlichen Interesse bewirtschaften. Die Auswahl der Höfe geschah durch einen Aufruf an die Landwirte zur Mitarbeit (Verteilung von Flyern, Publikation des Aufrufs in einschlägigen Zeitschriften und Verbands-Rundbriefen), wodurch sich interessierte Landwirte meldeten. Voraussetzung für die Teilnahme war, dass der jeweilige Landwirt artenreiche Mähwiesen bewirtschaftete und dies nicht in erster Linie im Rahmen von Vertragsnaturschutz usw. tat, sondern aus landwirtschaftlicher Sicht (Tiergesundheit, Qualität der Molkereiprodukte). 

 

Durch die Befragung sollte herausgefunden werden, welchen Wert der Landwirt seinen Wiesen zuspricht und wie er sie bewirtschaftet, damit die Wiesen ihren Wert, d.h. ihren Artenreichtum behalten. Der Fragebogen umfasst 48 Fragen zur Flächenbilanz, zu verschiedenen Wiesentypen, zur Eingliederung der Wiesenbewirtschaftung in den Betriebsablauf, zur Technik der Wiesenmahd und Wiesenpflege, zur Düngung, zum Ertrag, zur Fütterung, zur eigenen Inwertsetzung und zu finanziellen Fragen. Auch wird abgefragt, ob der Landwirt mit den Wiesen zufrieden ist oder ob er Optimierungsbedarf sieht.

 

Zusätzlich wurden auf den Betrieben in allen dort vorkommenden Wiesentypen pflanzensoziologische Bestandsaufnahmen gemacht; 123 Bestandsaufnahmen konnten auf diese Weise gewonnen werden. Sie werden daraufhin ausgewertet, inwieweit sie einem bekannten Vegetationstyp entsprechen und in welcher Ausprägung (optimal, mäßig, artenarm usw.) sie diesen Typus repräsentieren. Die jeweilige Ausprägung kann dann mit der Art der Bewirtschaftung korreliert werden.

 

Neben diesem On-Farm-Research wurde im Jahr 2013 sehr viel Literatur zum Thema Wiesen ausgewertet, wobei manche bemerkenswerte Zusammenhänge deutlich wurden, die es notwendig machen, mit überkommenen Denkmustern aufzuräumen.

 

 

2014: Praktische Umsetzung

 

Damit die Ergebnisse des Projekts nun auch dort landen, wo sie gebraucht werden, nämlich auf den Höfen, wird im Jahr 2014 eine Kampagne gestartet: Der Wiesentag (Flyer hier). Den Wiesentag wird in zwei Varianten angeboten: Einmal als individuelle Hofberatung nach dem Vorbild der einzelbetrieblichen Naturschutzberatung und zum anderen als öffentliche Weiterbildung mit Vortrag, Übung und Exkursion.

 

Der individuelle Wiesentag ist eine Beratung der Akademie für angewandte Vegetationskunde für alle interessierte Höfe. Diese Beratung hat im Laufe des Jahres 2014 noch Testcharakter und wird kostenlos angeboten. Es wird eine Beratungsmethode entwickelt, die landwirtschaftliche Betriebe unterstützen soll, ihre Potenziale für artenreiche Mähwiesen zu entdecken und umzusetzen. Der Schwerpunkt der Beratung wird in den Bundesländern Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen sein, um den Aufwand für die Fahrtkosten und Fahrtzeiten vom Standort Witten aus möglichst gering zu halten.

 

Betriebe, die ein Interesse an artenreichen Mähwiesen haben, ihre eigenen Wiesen besser kennenlernen wollen oder solche Wiesen neu etablieren oder optimieren möchten, können sich bei der Akademie melden. Es wird dann ein Termin für einen Betriebsbesuch vereinbart, der etwa 3-4 Stunden dauert. Zur Vorbereitung des Besuches werden seitens der Akademie die landschaftlichen Grundlagen recherchiert (Naturraum, geologischer Untergrund, Verbreitungs-Areale der Wiesenpflanzen, vorhandene Pflanzengesellschaften).

 

Die gemeinsame Begehung der Hoflandschaft soll klären, welche Typen von Wiesen möglich sind – auf Grundlage der landschaftlichen Gegebenheiten einerseits und der Wünsche des Betriebsleiters andererseits. Welche Wiesen passen zu dem Hof? Welche Pflanzengesellschaften sind möglich / notwendig? Wie kann man diese Wiesen etablieren (Nachsaat, Neueinsaat, Revitalisierung aus Brache, Heugrassaat …)?

 

Der Wiesentag als öffentliche Weiterbildung wird als Einstimmung in das Wiesenthema für verschiedene Regionen angeboten. Dieses Angebot richtet sich vor allem an die Demeter-Landesarbeitsgemeinschaften und die Landesverbände von Bioland und Naturland.

 

In den Vorträgen, Übungen und Exkursionen dieser Art von Wiesentag wird die landwirtschaftliche Bedeutung gesunder Heuwiesen vermittelt, vorbildliche Wiesen in zahlreichen Fotos gezeigt und konkrete Angaben zur optimalen Bewirtschaftung gemacht. Darüber hinaus wird es auch um die Maßnahmen zur Neuanlage von Wiesen bzw. um deren Regenerierung aus Brachen oder Intensivgrasland gehen. Solch eine Veranstaltung ist geeignet, das Interesse an gesunden Heuwiesen überhaupt erst einmal zu wecken und damit zum Wiesentag auf dem individuellen Hof anzuregen.

 

Der Weiterbildungs-Tag kann auch noch erweitert werden, indem Übungen zum Kennenlernen der wichtigsten Wiesengräser und -kräuter sowie Besichtigungen von Betrieben mit kräuterreichen, gesunden Mähwiesen angeboten werden.

Solche Veranstaltungen sind bereits geplant / durchgeführt von:

 

Wiesen-Broschüre

 

Die farbig bebilderte, 76-seitige Wiesen-Broschüre ist fertig. Sie führt in das Thema der artenreichen Mähwiesen ein, stellt die Vielfalt der Wiesen in zahlreichen Fotos und Tabellen vor, stellt die landwirtschaftliche Bedeutung heraus und gibt praktische Hinweise zur optimalen Bewirtschaftung. Sie kann für 10 € bei mir erworben werden.

 

 

 

 

Das Projekt Ravensberger LichtLandschaften


 

Ein Modellprojekt zur Steigerung der Biodiversität in ausgeräumten Agrarlandschaften

 

Siehe auch unter http://ravensberger-lichtlandschaften.de

 

Das Ravensberger Hügelland zwischen Bielefeld, Osnabrück und Minden ist eine intensiv besiedelte, stark ackerbaulich genutzte Kulturlandschaft. Zuckerüben, Raps, Getreidefelder auf nährstoffreichen Lößlehmböden, Horden von Brennesseln und Brombeeren an Böschungen und Grabenrändern, hier und da eine Feldholzinsel mit artenarmem Buchenwald: So zeigt sich diese Gegend, die – vielleicht bis auf einige Bachtäler – mit biologischer Vielfalt nicht überreich gesegnet zu sein scheint.

 

Woher kommen dann aber beispielsweise die vielen Orts- und Flurnamen, die mit -Heide enden? Man macht sich oft gar kein Bild davon, wie sehr sich unsere Kulturlandschaften im Laufe des letzten Jahrhunderts geändert haben, und welche Vielfalt von Biotopen, Tieren und Pflanzen hier früher verbreitet war. Ja, es gab Heide im Ravensberger Hügelland, und noch mehr: Orchideen, Fieberklee und Wollgras, kristallklare Teiche und Moorwiesen, Laubfrösche und Nachtigallen ... Und diese ganze lebendige Vielfalt war vollkommen abhängig von der traditionellen Landbewirtschaftung, es waren keine Naturbiotope!

 

Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass die Grundlage dieser Biotope, die heute nahezu verschwunden sind, eine Lichtvegetation war. Lichtvegetation sind Pflanzengesellschaften der Kulturlandschaft, die durch nachhaltig-ökologische Nutzung so entstehen, entwickelt und erhalten werden, dass die Kräfte von Licht, Luft und Wärme gefördert und die Kräfte von Erde und Wasser gedämpft werden. Da in unserer mitteleuropäischen Landschaft Erde und Wasser die beherrschenden Elemente sind, stellt sich hier von Natur aus grundsätzlich Wald oder Moor ein, verbunden mit Artenarmut und schwachen Blütenaspekten. Ganz anders die Lichtvegetation der Kulturlandschaft, die in Mitteleuropa großflächig nur durch den kulturschaffenden Menschen etabliert worden ist: Artenreichtum, lebendige Vielfalt und Blütenfülle kennzeichnen diese meist Gras-dominierten Pflanzengesellschaften.

 

Durch die industrialisierte Landwirtschaft gingen diese Kräfte-Impulse in den letzten Jahrzehnten wieder zurück: Die modernen Agrarflächen stehen – vor allem durch die Stickstoffdüngung – bereits wieder unter der Herrschaft von Wasser und Erde, und das gleiche gilt leider auch für die „heilige Kuh" des Ökolandbaues, das Kleegras.

 

Bei sehr genauer Suche findet man im Ravensberger Hügelland noch letzte Reste der einstigen Vielfalt und der Lichtvegetation. Weil es aber nur Reste sind, lohnt es sich, sich klar zu machen, welche großen Besonderheiten es darüber hinaus prinzipiell heute auch noch geben könnte, und wie und wo es sich lohnt, diese wieder aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwecken.

 

Besonderes Augenmerk gilt deshalb folgenden Biotopen

 

                     

       Heiden und                   Buntblühende                 Buntblühende                   Buntblühende
       Magerrasen                  Staudensäume               Mauervegetation                  Ackerränder

                     

     Artenreiche,                   Orchideenreiche             Kristallklare Teiche          Zwergbinsen-Rasen
     blumenbunte                   Feuchtwiesen
     Mähwiesen

 

Durch welche ökologisch verträglichen und nachhaltigen Nutzungen können diese Biotope und die zugehörige Lichtvegetation wieder vitalisiert werden? Wie kann die regionale Landwirtschaft dadurch gestärkt werden? Welche Bedeutung kann diese Vielfalt – außer für seltene Tiere und Pflanzen – auch für Landschaftsbild und Naturerlebnis haben? Eine zentrale Rolle würde hierbei die neue Wiesenkultur spielen, die brachgefallene Sieke wieder öffnen und durchlichten würde (Lichtvegetation). Das schlummernde Potenzial kann nur dadurch auf Dauer wieder entwickelt werden, wenn die Bevölkerung dies will und die Gestaltung der lebendigen Vielfalt ihrer Heimat bewusst in die Hand nimmt.

 

So hat sich die Initiativgruppe Ravensberger LichtLandschaften zum Ziel gesetzt, die Vielfalt heimischer Wildpflanzen und Biotope zu fördern. Ihr Projektgebiet ist innerhalb des Ravensberger Hügellandes zunächst der Bielefelder Norden mit den ehemaligen Dorfgemarkungen von Jöllenbeck, Theesen und Vilsendorf. Hier sind in den letzten 50 Jahren viele typische Wildpflanzen durch die intensivierte landwirtschaftliche Nutzung, durch Nutzungsaufgabe und Brachfallen gefährdet oder gar ausgestorben. Die meisten dieser Pflanzen waren auf die traditionelle Nutzung angewiesen.

 

In Zusammenarbeit mit Landwirten, Forstwirten, Teichbesitzern, Anglern, Imkern u.a. will die Initiativgruppe den seltenen regionaltypischen Pflanzenarten wieder neue Lebensräume in einer nachhaltig bewirtschafteten Kulturlandschaft schaffen. Die ersten Aktionen konzentrieren sich auf den Köckerhof, der nach den Bioland-Richtlinien arbeitet.

 

Projektziele

 

Im Gegensatz zu den meisten anderen Naturschutzprojekten, die sich um die Entwicklung von Landschaften mit noch vorhandenem biologischen Potenzial (seltene oder gefährdete Arten bzw. Biotope/Lebensgemeinschaften) bemühen, geht das Modellprojekt Ravensberger LichtLandschaften von einer Null-Situation aus. „Null-Situation" bedeutet für die betreffende Landschaft, dass hier nur noch extrem wenige Arten bzw. Lebensgemeinschaften der Roten Listen oder schützenswerte Biotope vorkommen, für die es jedoch historische Nachweise oder Hinweise gibt.

 

Es geht also weniger um Schutz, Erhaltung und Entwicklung, sondern mehr um Neu-Etablierung. Daraus ergeben sich für eine konkrete Landschaft Fragen wie:

 

• Welche Arten und Biotope kommen bzw. kamen hier vor?


• Wie lässt sich das regionaltypische Inventar an Biodiversität bestimmen?


• Wie sieht das maximale Potenzial an Arten und Biotopen aus, das aktuell aber nur fragmentarisch oder gar nicht entwickelt ist?


• Wie lässt sich dieses Potenzial wieder entwickeln, neu beleben? Welches sind die Bedingungen?


• Welches sind die richtigen Orte für die einzelnen Arten und Biotope in der Landschaft? Es geht dabei nicht nur um die Entwicklung einzelner isolierter Flächen, sondern um einen funktionalen Zusammenhang in der Landschaft.


• Wie lassen sich die Arten und Biotope in eine naturschonende, nachhaltige Landbewirtschaftung einbinden (Vielfalt durch Nutzung)?


• Lassen sich eventuell positive Auswirkungen der neu zu entwickelnden biologischen Vielfalt auf die Nutzung prognostizieren (Nutzen durch Vielfalt)?

 

Grundlage unserer Arbeit ist die Vegetationskunde, da die Pflanzengesellschaften die Grundlage fast aller biologischen Systeme auf Landschaftsebene sind. Darüber hinaus sind die meisten Biotoptypen aus Vegetationstypen abgeleitet. Um den oben genannten Fragen nachzugehen, bedienen wir uns demnach des Konzeptes der Potenziellen Kulturlandschafts-Vegetation. Ziel des Projektes ist es, die Potenzielle Kulturlandschafts-Vegetation eines Gebietes weitgehend vollständig zu erfassen und an möglichst vielen Stellen wieder neu zu etablieren, wobei die Einbindung in Landbewirtschaftung bzw. nachhaltige Landschaftspflege sowie die emotionale Verankerung des Projektes in der örtlichen Bevölkerung obligatorisch sind.

 

Unser Anliegen ist es, Kulturlandschaft zu entwickeln. Entsprechend konzentrieren sich unsere Bemühungen auf die anthropogene Offenland-Vegetation, insbesondere die Lichtvegetation, die dem Projekt auch den Namen gegeben hat.

 

Das Projektgebiet

 

 

 

Erfahrungsraum (Untersuchungsraum)

 

Untersuchungsgebiet ist der Naturraum Ravensberger Hügelland. Hier wird die Potenzielle Kulturlandschafts-Vegetation erfasst sowie – falls möglich – die Art und Weise der Bewirtschaftung bzw. Pflege in Erfahrung gebracht. Dazu gehören ausgedehnte Geländeuntersuchungen, Literaturstudium und Expertenbefragung.

 

     Naturraum = Erfahrungsraum
     (rot gestrichelt) und Tätigkeitsraum
     (grün schraffiert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bisherige Arbeiten: 127 eigene Vegetationsaufnahmen in der Vegetationsperiode 2006 (die meisten davon von einer Studentengruppe der Uni Hannover, die das Teilprojekt „Wiesensanierung" durchgeführt hat).

 

Tätigkeitsraum

 

Mit dem gesammelten Wissen aus dem Naturraum geht es in die Umsetzung. Um dabei in einem sozial überschaubaren Raum zu bleiben, wird ein Teilgebiet des Ravensberger Hügellandes ausgewählt: der nördliche Teil der kreisfreien Stadt Bielefeld, genauer die ehemaligen Dorfgemarkungen von Jöllenbeck, Vilsendorf und Theesen. Hier geht es zunächst um Bildungsarbeit, mit der viele Menschen für das Projekt begeistert werden sollen, dann um das Finden von interessierten Landnutzern (auch jeder, der einen Garten bewirtschaftet, ist ein Landnutzer), die mit in die praktische Umsetzung einsteigen und – übergreifend – um den Aufbau einer Initiativgruppe, die die Umsetzung vor Ort in die Hand nimmt.

 

Tätigkeitsraum: Der Nordteil von Bielefeld mit den drei alten Dorfgemarkungen Jöllenbeck, Theesen und Vilsendorf. Blau: Bachtälchen (Sieke)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Bisherige Arbeiten: 8 Diavorträge 2004-2006, 4 Exkursionen, Bildung einer Initiativgruppe von über 20 Personen, Erstellung eines Faltblattes (Auflage über 4000) zur Bewerbung des Projektes in der Bevölkerung, gemeinsame Festlegung des Startraumes sowie Planung und Organisation von praktischen Arbeitseinsätzen.

 

Startraum

 

Organisch gewachsen aus dem sozialen Zusammenhang im Tätigkeitsraum – und eingedenk einer bisher nur ehrenamtlichen Tätigkeit aller Beteiligten – entstand die Absicht, in einem wiederum noch kleineren Rahmen mit den praktischen Arbeiten zu beginnen. Die Wahl fiel auf den Köckerhof in Theesen, der nach den Bioland-Richtlinien wirtschaftet, zumal das Bewirtschafter-Ehepaar die Begeisterung über das Projekt voll teilt.

 

        

 

Pflanzengesellschaften: Die Projektbasis

 

Wenn man sich draußen umschaut: Wildpflanzen wachsen nie alleine für sich, sondern immer in Gemeinschaft mit anderen. Das, was da jeweils zusammen wächst, ist kein Zufallsprodukt, sondern unterliegt einer Gesetzmäßigkeit. Nur ganz bestimmte Pflanzen schließen sich zu einer Gemeinschaft zusammen, und das kann man mit einer bestimmten Methode erforschen. Die Wissenschaft, die das macht, die also die Pflanzenarten-Kombinationen von Pflanzengesellschaften herausfindet, ist die Pflanzensoziologie.

 

Die Grundlage unseres Projektes ist eben diese Pflanzensoziologie. Wir arbeiten mit Pflanzengesellschaften, und das hat Vorteile. Vorteil Nr. 1: die große Vielfalt unserer heimischen Wildpflanzen wird so zu Gruppen zusammengefasst und wird damit überschaubarer und handhabbarer. Vorteil Nr. 2: Pflanzengesellschaften bilden die wichtigste Grundlage der Lebensräume für Tiere. Vorteil Nr. 3: Pflanzengesellschaften sind flächig ausgebreitet und erlauben damit ein großräumiges Erfassen von Standortkräften.

 

Die pflanzensoziologische Forschung hat bundesweit inzwischen etwa 800 Pflanzengesellschaften definieren und beschreiben können, also recht viel! Und Nordrhein-Westfalen hat immerhin noch etwa 370 Gesellschaften. Von diesen Gesellschaften sind inzwischen etwa 200 gefährdet oder schon verschwunden, also über die Hälfte. Und von diesen 200 sind wiederum etwa 120 Pflanzengesellschaften vom Menschen in irgendeiner Weise abhängig - für deren Erhaltung tragen wir Menschen also die Verantwortung, und zwar nicht passiv nach dem Motto „lass man wachsen, das wird schon", nein, sondern durch aktive Arbeit, da es sich um kulturabhängige Pflanzengesellschaften handelt.

 

Im Projektgebiet, dem Ravensberger Hügel-land, finden wir von den genannten 120 immerhin 60 Pflanzengesellschaften, an denen wir aktiv handeln müssen, um sie für die Zukunft zu bewahren. Das heißt, wir finden sie nicht wirklich, denn viele von ihnen sind schon verschwunden oder bis zur Un-kenntlichkeit degeneriert. Nur noch etwa 25 von ihnen kommen heute wenigstens in einzelnen Flächen vor, und auch das sind oft nur Reste.

 

 

 

 

 

Heiderest zwischen Ackerflächen

 

                            

Einer der letzten Tümpel mit weißblühendem                       Fast ausgestorben: Magere Feuchtwiese 
Wasserhahnenfuß und Laubfröschen                                  mit Teufelsabbiß und Zittergras

 


Die Frage ist nun, welches Potenzial schlummert da seinen Dornröschenschlaf und wie kann es wieder zum Leben erweckt werden? Die Erfassung des schlummernden Potenzials ist weitgehend eine wissenschaftliche Arbeit, sowohl Geländearbeit als auch Literaturauswertung und Expertenbefragung.

 

Wie wir vorgehen

 

1. Eine Liste von Pflanzengesellschaften wird erstellt, die im Ravensberger Hügelland potenziell vorkommen und davon diejenigen selektiert, die nach der NRW-Roten Liste gefährdet sind. Das entspricht weitgehend der Lichtvegetation.


2. Nach dieser Liste gehen wir ins Ravensberger Hügelland und sammeln Vegetationsaufnahmen von den noch vorhandenen Beständen bzw. Resten. Sie sollen uns sowohl über den aktuellen Stand der Verbreitung Auskunft geben als auch über die regionaltypische Artenzusammensetzung, die durchaus von den überregional beschriebenen Typen abweichen kann.


3. Nun geht es um das Herausarbeiten der optimalen Artenkombination einer jeden Gesellschaft, und auch um das Optimieren nach den Kriterien: Futterwert, Heilpflanze, Blühwert, Rote-Liste-Art. Damit sind die Anforderungen an landwirtschaftliche, ästhetische und naturschutzfachliche Bedeutung abgedeckt, auf die es ankommen wird, wenn solche Gesellschaften neu etabliert werden sollen.


4. Der Gedanke, gefährdete Pflanzengesellschaften (also mehr oder weniger die Lichtvegetation) neu zu etablieren, lässt die Frage entstehen, ob das unter den heutigen Randbedingungen überhaupt geht (Stickstoff aus der Luft, überdüngte Böden). Beispiele zeigen, dass das geht, z.B. die Neu-Etablierung von mageren Wiesen in der Eifel.


5. Schließlich bleibt noch die Frage: Wo, an welchem Ort, kann man die Pflanzengesellschaften neu entwickeln, also in welchem Kontext (Vegetationskomplex). Dazu gibt der Typus der historischen Dorfgemarkung Auskunft.

 

Besondere Biotope

 

Spezielles Augenmerk wird in unserem Projekt auf die Lichtvegetation gelegt. Die Gesellschaften der Lichtvegetation sind im großen und ganzen deckungsgleich mit den gefährdeten Pflanzengesellschaften des Offenlandes in der Kulturlandschaft. Daraus ergibt sich, dass die Lichtvegetation des Ravensberger Hügellandes aus etwa 60 Pflanzengesellschaften (Assoziationen) besteht - von denen aber längst nicht alle tatsächlich vorhanden sind, sondern zumeist als Potenzial schlummern.

 

Um diese etwa 60 Pflanzengesellschaften übersichtlich darzustellen, werden sie nach den Zonen des historischen Kulturgradienten geordnet. Die folgende Aufzählung der Pflanzengesellschaften und deren Zuordnung zu den Zonen des Kulturgradienten hat noch vorläufigen Charakter.

 

 

SONDERBIOTOPE

 

 

Die Initiativgruppe

 

Angeregt durch Vorträge und Exkursionen im Projektgebiet fand sich nach und nach eine Gruppe interessierter Menschen zusammen, die sich für das Projekt begeistern konnten. Denn es stellte sich bald heraus, dass sich viele Menschen im Naturschutz- und Landschaftspflegebereich engagieren und praktisch tätig werden würden, wenn sie Gelegenheit hätten und wüssten, wie sie geeignete Arbeiten finden könnten. Und diese Arbeiten gibt es!

 

Denn es zeigt sich immer wieder im Arbeitsalltag der Landwirte, dass viele der Naturschutz-Arbeiten, insbesondere die Erst-Instandsetzungen von Biotopen, vom Landwirt allein oftmals nicht geleistet werden können. Um die erwünschten Ziele zu erreichen, ist deshalb die Einbindung weiterer menschlicher Arbeitskraft und Kreativität von außerhalb des Hofs gefragt.

 

Die neu entstandene Initiativgruppe, die sich inzwischen auch als gemeinnütziger Verein Ravensberger LichtLandschaften e.V. eta-bliert hat, handelt eigenverantwortlich, selb-ständig und ehrenamtlich. Ihre Arbeiten reichen von organisatorisch-konzeptionellen bis hin zu ganz praktischen Tätigkeiten draußen im Gelände. Die Gruppe bringt mit ihren individuellen Persönlichkeiten verschie-dene Wünsche und Fähigkeiten ein.

 

 

 

 

 

Auch das lässt sich als Potenzial beschreiben: Was schlummert an Fähigkeiten und Visionen verborgen in den Menschen einer Region? Wie können sie sich ihre Heimat-, Wohn- und Arbeitslandschaft vorstellen, was können und wollen sie dafür einbringen? Die Bildungsarbeit mit den Pflanzengesellschaften gibt neue Anregungen und eröffnet vielfach ganz neue Zusammenhänge.

 

Bisherige Maßnahmen (2006 - 2009)

 

 Pflanzengesellschaften: Schlagfluren (Epilobion), Wiesensäume (Arrhenatherion), Lichtsäume (Trifolion medii), Feucht-Hochstauden (Filipendulion), frische Ruderalsäume (Aegopodion), trockene Ruderalsäume (Melilotion), warme Ruderalsäume (Onopordion).

 

Umwandlung einer Grasfläche neben der Hofeinfahrt des Köckerhofes in eine blumen- und kräuterreiche Glatthaferwiese, durch Fräsen und anschließende Einsaat mit entsprechendem Wildpflanzen-Saatgut.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Umwandlung eines Erlen-Sukzessionsgehölzes auf ehemaligem Feuchtwiesenstandort zurück in eine Feuchtwiese. Gehölzentfernung durch den Landwirt und die Initiativgruppe, gezielte Saatgutübertragung seltener Feuchtwiesenpflanzen aus einer nahegelegenen Wiese.

 

 

 

 

 

 

 

 


Etablierung der seltenen Mäuseschwänzchen-Gesellschaft im Bereich eines wechselfeuchten Weideeinganges als dem typischen Wuchsort durch regionales, selbst gesammeltes Saatgut.

 

 

 

 

 

 

 

 


Lichtstellung eines alten Teiches durch Gehölzentfernung und Entschlammung mit dem Ziel eines artenreichen Biotopes. Beginn der Arbeiten Januar 2007 (Gehölzentfernung) – die bisher größte Aktion der Initiativgruppe. Ab Oktober 2007 begannen die Arbeiten zur Entschlammung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

          

Der Teich vorher ...                                                                 ... und nachher.

 


Sammlung von regionalem Saatgut seltener Pflanzenarten der Lichtvegetation zur Zwischenvermehrung, insbesondere von Pflanzen der Heide-Gesellschaften. Dies wird benötigt für die Neuanlage von Heideflächen am Rande des zum Köckerhof gehörenden Waldes.

 

        

 

Weiterhin Durchführung verschiedener Veranstaltungen zur Werbung für das Projekt in der Öffentlichkeit sowie interne Weiterbildung. Vorträge und Exkursionen sowie Pressearbeit stehen projektbegleitend auf dem Programm. Außerdem wurde ein farbiges Faltblatt erstellt.

 

Teilprojekt Wiesenrenaturierung und Heuvermarktung

 

Zunächst aus ästhetischer und naturschutzfachlicher Sicht sollten die inzwischen meist brachgefallenen und verbuschten Wiesentälchen des Ravensberger Hügellandes (Sieke) wieder geöffnet und in Wiesenvegetation überführt werden. Damit dies kein „Naturschutz-Pflegefall" wird, ist es sinnvoll, eine Wiesenheu-Vermarktung anzustreben. Abnehmer könnten die zahlreichen Pferdehalter des Gebietes sein.

 

Wichtig ist beispielsweise für das Projektgebiet, dass ein diätetisches Wiesenheu als gesundes Zusatzfutter nicht nur von frischen bis trockenen mageren Wiesen gewonnen werden kann, sondern auch von sehr feuchten bis nassen. Paradebeispiel, an dem man sich orientieren kann, ist die Nutzung der ostfriesischen „Blaugraswiesen" (Cirsio dissecti-Molinietum bzw. Succisa pratensis-Juncus conglomeratus-Gesellschaft) durch einen Landwirt als „Stallapotheke". Hinrich Sweers aus Warsingsfehn bewirtschaftet mehrere Hektar dieses Vegetationstyps und gewinnt hier mit einmaliger Sommermahd ein kräuter- und heilpflanzenreiches Heu, das seine Kühe als Zusatzfutter bekommen. Das fördert ihre Gesundheit und erspart dem Bauern eine Menge Tierarztkosten.

 


Dieses Beispiel sollte viel mehr Schule machen und entsprechend wird es auch in das Ravensberger Projekt eingebracht, damit deutlich wird: Bei der Entwicklung einer feuchten Magerwiese tut der Landwirt nicht nur etwas für den Naturschutz und die lebendige Vielfalt im allgemeinen, er steigert nicht nur die ästhetische Attraktivität des Landschaftsbildes, sondern er kann damit auch die Tiergesundheit stabilisieren.

 

 

 

 

 

 

 

Entsprechende Feuchtgrünland-Parzellen gibt es zahlreich im Projektgebiet, die in dieser Hinsicht entwicklungswürdig sind. Wie üblicherweise woanders auch, werden die besonders feuchten Flächen nicht mehr bewirtschaftet, fallen brach und vernässen sehr stark. Das Brachfallen an sich läuft dem landwirtschaftlichen Grundverständnis des Bauern zwar zuwider, er kann jedoch mit dem Aufwuchs von großwüchsigen Hochstauden, die sich hier inzwischen eingestellt haben, nichts anfangen. Außerdem kann er mit seinem Trecker, dem Mähwerk und dem Ladewagen die schlammigen Böden nicht befahren.

 

Andererseits hat auch der Naturschutz ein gewisses Interesse an den Flächen, da sich hier die Sumpfdotterblume (Caltha palustris) stark ausgebreitet hat, was für die ausgeräumte Region immerhin von gewisser naturschutzfachlicher Bedeutung ist. Auch aus Naturschutzsicht wäre ein Mähen wünschenswert, damit die Sumpfdotterblume auf Dauer erhalten bleibt. Das ist aber eben nicht möglich, da der Boden für eine regelmäßige Mahd zu nass ist.

 

        

So stellt man sich meist eine Feuchtwiese vor:                     Das ist eine Feuchtwiese: Süßgräser mit gutem
Sauergräser und hohe Stauden ohne Futterwert.                   Futterwert und blühenden Kräutern!
Das ist aber keine Feuchtwiese, sondern eine
Feuchtbrache!

 


Um hier zu einer befriedigenden Lösung zu kommen, konnten wir aus der Kenntnis der Potenziellen Kulturlandschafts-Vegetation einen Vorschlag unterbreiten, der sowohl aus naturschutzfachlicher als auch aus landwirtschaftlicher Sicht eine Aufwertung bedeutet. Voraussetzung dafür ist auf jeden Fall eine vorsichtige Teilentwässerung, um eine Wasserstufe zu erreichen, die etwa einer Sumpfdotterblumen-Wiese entspricht. Dann soll diese Fläche gemulcht, gefräst und eine Feuchtwiesen-Gesellschaft durch Einsaat neu etabliert werden. Die neue Pflanzendecke soll sowohl ein diätetisches Kräuterheu liefern (Stallapotheke) als auch regionaltypische, seltene Arten enthalten, die von ihrer Naturschutzwertigkeit weit höher als die vorhandene Sumpfdotterblume einzustufen sind, beispielsweise Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), Fieberklee (Menyanthes trifoliata), Sumpfdreizack (Triglochin palustre), Purgierlein (Linum catharticum), Zittergras (Briza media) und viele andere mehr.

 

Hierzu ist es notwendig, eine Pflanzengemeinschaft aus der Kenntnis des Vegetationstypus heraus neu zu entwickeln. Leitbild für diese Neuentwicklung ist die oben genannte Blaugraswiese in einer bestimmten regionalen Ausprägung (basenreich, quellbeeinflusst), die früher in vielen Wiesentälern der Region vorkam und die heute bis auf ganz wenige kleine Restflächen verschwunden ist.

 

Die Arbeitsschritte für das Teilprojekt Wiesenrenaturierung und Heuvermarktung sind:

 

• Vegetationsaufnahmen in den restlichen „guten" Wiesen des Gebietes


• Erarbeitung der regionaltypischen Artenzusammensetzung der verschiedenen Wiesen


• Erarbeitung eines Leitbildes für die Wiesenkultur im Ravensberger Hügelland und Publikation


• Vorschläge zur „Rekultivierung" brachgefallener Wiesen


• Saatgutgewinnung und Neueinsaaten


• Organisation von Veranstaltungen für Bevölkerung und Landwirte, z.B. Workshop / Zukunftswerkstatt zur Vermittlung des Leitbildes „Wiesenkultur"


• Selektion von interessierten, kooperierenden Landwirten, diese bei der sukzessiven Umgestaltung der Flächen beraten und unterstützen


• Recherche von Fördergeldern


• Konzept für eine Regionalvermarktung


• Umwandlung von Brachflächen und Intensivgrünland in artenreiche Mähwiesen

 

Die Grundlagenarbeiten wurden bereits von einer Studentengruppe der Universität Hannover im Rahmen eines Studienprojektes erarbeitet. Bearbeiter: Hilda Frank, René Hertwig.

 

Wassernuss-Kultur und -Vermarktung

 

Die Wassernuss (Trapa natans) steht als bedrohte Pflanzenart in Deutschland auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Wenig bekannt ist, dass sie früher eine Speisepflanze war. In Asien wird sie auch heute noch gesammelt und gegessen. Das wäre auch in Deutschland möglich und insbesondere im Ravensberger Hügelland, da sie hier vor 100 Jahren noch in Teichen (Klosterteichen, Gutsteichen) vorkam.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                                                                                                                                                                                                          


Bei einer Wiederaufnahme der Wassernuss-Kultur in entsprechenden Gewässern könnte heute nebenbei für eine Vielzahl anderer, gefährdeter Pflanzen- und Tierarten Lebensraum geschaffen werden. Eine Vermarktung müsste die kulinarische Besonderheit und die Regionalität der Wassernuss in den Mittelpunkt stellen. 

 

 

 

 

 

 

 

Die Arbeitsschritte für das Teilprojekt Wassernuss-Kultur und -Vermarktung sind:

 

• Erarbeitung der Lebensansprüche der Wassernuss einschließlich seltener „Beikräuter"


• Recherche der historischen Vorkommen und der zugehörigen Bewirtschaftung westfälischer Wassernuss-Teiche


• Erarbeitung von nachhaltigen Bewirtschaftungskonzepten für die Wassernuss-Teiche unter Berücksichtigung der größtmöglichen Artenvielfalt


• Erarbeitung einer Broschüre „Wassernuss-Teiche in Westfalen"


• Kontaktaufnahme mit den Besitzern / Bewirtschaftern dieser und weiterer potenziell geeigneter Teiche


• Interessierte Fischwirte / Angler / Teichbesitzer gewinnen, diese bei der Umgestaltung der Teiche beraten und unterstützen


• Instandsetzung von Teichen (Entschlammung, Fischbesatz reduzieren / verändern, Ufergehölze auflichten)


• Besatz der Teiche mit Wassernüssen: Gewinnung und Transport des Wassernuss-Saatgutes


• Organisation einer regionalen Vermarktung (Angebot als „westfälische Spezialität" in der Gastronomie)

 

Dieses Teilprojekt der „Ravensberger LichtLandschaften" wird zur Zeit im Rahmen einer Diplomarbeit der Universität Hannover vertieft. Bearbeiterin: Beate Götze.

 

Geplantes Buchprojekt

 

Ravensberger LichtLandschaften
Heimische Pflanzengesellschaften erkennen und erleben,
gestalten und nutzen

 


Das Handbuch zum Projekt Ravensberger LichtLandschaften

 


Ausführliche Darstellung eines Leitbildes für die Entwicklung der Kulturlandschaft im Ravensberger Hügelland in einem allgemeinverständlichen, bunt bebilderten Buch, das auch überregional nutzbar ist. Hierzu soll die einschlägige Literatur recherchiert werden, eigene Versuche und Vegetationskartierungen werden ausgewertet und Experten werden befragt. Das Buch soll enthalten:

 

• Einen bebilderten Katalog der ca. 50 „besonderen" Pflanzengesellschaften, also der seltenen und gefährdeten Pflanzengesellschaften, die im heutigen Nutzungsmuster der Landschaft nicht zwangsläufig entstehen, die man also bewusst entwickeln muss (Lichtvegetation).


• Konkrete praktische Hinweise zur Nutzung und Pflege dieser „besonderen" Pflanzengesellschaften.

Schließlich ein organisches Gesamtbild der Landschaftsgliederung, in der alle Pflanzengesellschaften des Potenzials enthalten und standortgerecht angeordnet sind (farbiges Kartenwerk).

 

Vorläufige Grobgliederung:

 

• Die Entstehung der Kulturlandschaft als „Lichtlandschaft" aus der ursprünglichen Waldlandschaft


• Die positive Rolle des Menschen als Gestalter der Vielfalt


• Bemerkenswerte, seltene Biotope und Pflanzengesellschaften der historischen Ravensberger Landschaft


• Das schlummernde Potenzial der gesamten möglichen Vielfalt an Arten und Biotopen in der Heimatlandschaft


• Der Katalog der seltenen Pflanzengesellschaften (mit farbigen Bildern und Hinweisen zu Nutzung und Pflege)


---- o Pflanzengesellschaften der Heiden und Magerrasen
---- o Pflanzengesellschaften der Ackerflur 
---- o Pflanzengesellschaften der Dörfer, Höfe und Gärten
---- o Pflanzengesellschaften des Grünlandes
---- o Pflanzengesellschaften der Gewässer


• Wie und wo kann das Potenzial geweckt und entwickelt werden? Die Frage nach den richtigen Orten


• Ein Leitbild zur Landschaftsentwicklung unter naturschutzfachlichen, ästhetischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten


• Soziale und organisatorische Aspekte der Umsetzung